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Wie es begann

1964Wie es begann:

 Zwei Schulen unter einem Dach – Ein „alter Gangolfer“ erinnert sich

 Ein Bericht von Roland Morgen, ehem. „Ausonius-Schüler“

Von wegen „Früher war alles besser“: In der Anfangszeit der Ausonius-Schule hatten viele Schüler nicht viel zu lachen. Mitunter ging es sogar ziemlich schmerzhaft zu.

Das lag daran, dass der 1964 eingeweihte Neubau in der Langstraße zwei Schulen unter einem Dach beherbergte: eine für Kinder aus der Pfarrei St. Gangolf, die andere für „Pauluser“. Und die waren einander in inniger Rivalität verbunden. Die Nickligkeiten hielten sich nur dann in Grenzen, wenn die Rektoren Hill und Prümm oder sonst jemand aus dem Lehrerkollegium in Sichtweite waren. Andersfalls lag Zoff in der Luft. Der Schulhof war in „Reviere“ aufgeteilt. Pech für uns Gangolfer: Die Toiletten lagen auf der Pauluser Seite. Und wer in Abwesenheit der Pausen-Aufsicht die unsichtbare Demarkationslinie überschritt, riskierte „einen Satz warmer Ohren“ – oder blaue Flecken an anderen Körperstellen, die viel Angriffsfläche bieten. Längst können einstige Streithähne über solchen Kinderkram nur noch lachen. Warum es die Animositäten überhaupt gab, hatte eh schon damals keiner so recht begriffen. Sie waren ein nicht nachvollziehbarer (aber oftmals spürbarer) Nebeneffekt einer gut gemeinten Entscheidung der Stadt. Nach jahrelangen Provisorien sollten die Erst- bis Sechstklässler der beiden großen Innenstadt-Pfarreien St. Gangolf und St. Paulus in einer modernen neuen Schule unterrichtet werden.

Doch auch unter dem gemeinsamen Flachdach blieb die Trennung der „Systeme“ Paulus und Gangolf mit unterschiedlichen Leitern und Lehrern zunächst bestehen. Erst 1966, zwei Jahre nach der Eröffnung, hob die Stadt die Systemtrennung auf. Aus der Doppel-Volksschule wurde 1968 eine Grundschule. Seit 1971 trägt sie den Namen des römischen Dichters und „Mosella“-Verfassers Decimus Magnus Ausonius (310 bis 393 n. Chr.).

Was mir von damals außerdem in dauerhafter Erinnerung bleibt:

Die Langstraße war ein gefährliches Verkehrspflaster. Auf der Verbindung zwischen Deutschherrenstraße und Paulusplatz wurde viel gerast. Als Erstklässler wurde ich Zeuge eines Unfalls, bei dem ein Motorradfahrer nach dem Zusammenstoß mit einem Auto meterweit durch die Luft geschleudert und schwer verletzt wurde. Mit dem Bau des neuen Berufschulzentrums Anfang der 80er Jahre wurde die Langstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Der Turnunterricht fand anfangs in der Eingangshalle der Schule statt – genau vor dem Büro des Hausmeisters, der offensichtlich gar keinen Spaß daran hatte, die Gymnastikmatten zu umkurven. Besonders nette Menschen, an die ich gerne zurückdenke: Musiklehrer Leo Baumeister und Frau Schönberger, meine erste Klassenlehrerin. Die drohte auch nicht gleich mit dem Bambusstock, wenn es in unserem Klassenzimmer (Erdgeschoss rechts) einmal etwas lauter zuging. Eingeschult worden bin ich 1965 – wie bis dahin üblich nach den Osterferien. Als Zweit- und Drittklässler erlebte ich Kurzschuljahre, die es damals zur Vereinheitlichung der Einschulungstermine gab. Folge: Schuljahresbeginn ist in allen Bundesländern nach den Sommerferien. Meine erste Klassenfahrt führte ins Freilichtmuseum Kommern bei Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) – ein wirklich tolles Erlebnis. Ich glaube, es war im dritten Schuljahr.  Zu vielen meiner alten Schulkameraden habe ich noch heute guten Kontakt – auch zu ehemaligen Paulusern.

Roland Morgen